Auskunftspflicht der Erben untereinander?

Erben mehrere Personen ist der Fall nicht selten, dass Kenntnisse über Zusammensetzung des Nachlasses und Verbleib von Nachlassgegenständen nur einzelnen der Miterben bekannt sind. Dann stellt sich sofort die Frage nach dem Recht bzw. der Pflicht zur Auskunft innerhalb der Erbengemeinschaft.
Anders als beim Pflichtteil, bei dem der Auskunftsanspruch bezogen auf den Zeitpunkt des Erbfalls umfassend ist, besteht innerhalb der Erbengemeinschaft grundsätzlich keine Pflicht zur Auskunft. Der Miterbe kann sich Informationen bei Vorlage des Erbscheins oder eines anderen Erbnachweises insbesondere bei Banken und vermögensverwaltenden Institutionen selbst einholen.
Auf der anderen Seite gibt es Situationen, bei denen gesetzliche Regelungen eine Auskunft zwingend vorschreiben.

Eine solche Verpflichtung besteht z.Bsp. für den Beauftragten gegenüber dem Auftraggeber. Der Beauftragte ist nach §666 BGB zum einen gegenüber dem Auftraggeber zu jederzeitiger Auskunft über den Stand der von ihm getätigten Geschäfte sowie zur Rechnungslegung unter Beifügung von Belegen verpflichtet. Dieses Recht, das dem Erblasser als Auftraggeber zustand, geht im Erbfall als Teil der vermögensrechtlichen Rechtsstellung des Auftraggebers auf die Erben über. Ist der Beauftragte ebenfalls Erbe, können sodann die anderen Miterben gegenüber diesem das Recht ausüben. Voraussetzung ist allerdings, dass mit der Vollmacht des Auftraggebers auch ein rechtsgeschäftlicher Auftrag an den Beauftragten erfolgte. Dies ist häufig nicht der Fall, wenn z.Bsp. die Eheleute untereinander oder nahe Verwandte untereinander sich Vorsorgevollmachten erteilen. Hier besteht nur ein Gefälligkeitsverhältnis, dass nicht zu einer Auskunftspflicht führt.

Neben diesen Auskunftsansprüchen bestehen noch weitere gesetzliche Regelungen wie zum Beispiel die Folgenden:
Der Hausgenosse, also eine Person die mit dem Erblasser zusammenlebte oder in dessen Haushalt ein- und ausging, muss über Geschäfte des Nachlasses, von denen er Kenntnisse hat sowie über Verbleib von Nachlassgegenständen nach seiner Kenntnis Auskunft erteilen.
Der Erbschaftsbesitzer ist über die Zusammensetzung des Nachlasses zur Auskunft verpflichtet.

Schließlich kennt die Rechtsprechung noch einen Auskunftsanspruch nach Treu und Glauben, der dann eingreift, wenn es einem der Miterben ein Leichtes ist, die Auskunft aus den Unterlagen zu erteilen, die sich die anderen Miterben erst mühsam beschaffen müssten.

Die Frage nach dem Recht oder der Pflicht zur Auskunft in der Erbengemeinschaft ist insgesamt eine Frage der rechtlichen Interpretation. Soweit diese Frage zur Regelung der Auseinandersetzung des Nachlasses oder zu dessen Verwaltung ansteht, ist demzufolge fachkundiger Rat sinnvoll um Fehler bei der Geltendmachung zu vermeiden.

Für Rückfragen dazu steht Ihnen in unserer Kanzlei Rechtsanwalt Dr. Arnd Löffelmann, Fachanwalt für Erbrecht gerne zur Verfügung.


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